Was starke Marken sich von Kultregisseur Christopher Nolan abgucken sollten
Es gibt eine einfache Regel auf den Sets von Christopher Nolan: keine Handys. Der Kultregisseur, der mit Filmen wie «Inception», «Interstellar» und «Oppenheimer» zum vielleicht einflussreichsten Erzähler unserer Zeit wurde, verbannt Ablenkung gezielt aus seinem Alltag.
Seine neue Verfilmung der «Odyssee» schlägt alle Rekorde. Der Meister hätte es sich damit leicht machen können. Der Zyklop Polyphem, die Sirenen, das Monstrum Skylla – all das liesse sich heute am Rechner erzeugen, Pixel für Pixel, ohne Wetterkapriolen, ohne Jetlag.
Stattdessen drehte Nolan den Blockbuster in mehreren Ländern. Er liess Riesen bauen, drehte in mehreren Ländern, schickte seine Crew und seine Stars in echten Wind und Regen. Und für die Sirenen auf den Felsen mussten Stuntfrauen frieren.
Stephan Lehmann-Maldonado
Partner & Lead Content
Menschen spüren Fälschungen
Hinter der Generalstabsübung «Odysee» steckt mehr als Regie-Eitelkeit. Menschen haben über Jahrtausende gelernt, Täuschung zu wittern – lange bevor es Kino und Werbung gab. Wir spüren den Unterschied zwischen etwas, das uns etwas vorgaukelt und etwas, das einfach ist.
Natürlich trickst auch Nolan, wie jeder gute Geschichtenerzähler. Aber seine Täuschungen haben mehrere Dimensionen. Es ist wie der Unterschied eines echten Van Goghs mit reliefartiger, zentimeterdicker Farbe – und einem blossen Hochglanzabdruck davon.
Nolan geht für seine Produktionen auch ein ökonomisches Risiko ein. Lohnt sich authentisches Storytelling und Branding auch für ein Unternehmen? Wäre es nicht günstiger, vieles über KI zu automatisieren?
Was geht unter die Haut?
Nolan fragt aber nicht, was billiger ist, sondern was mehr Wirkung erzeugt. Was allzu flach ist, bleibt nicht hängen.
Wir sind überzeugt: Starke Marken brauchen Tiefe, damit sie sich uns nachhaltig einprägen. Sie brauchen ein Maximum an Authentizität. Anders gesagt: Auch ausserhalb des Kinos, wenn wir Marken, Produkte und Ideen kommunizieren, sollten wir uns ein Stück von Christopher Nolan abschneiden.
Oder um es mit der «Odyssee»-Saga zu sagen: Abkürzungen sind nicht immer der beste Weg zum Ziel.