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Fünf Lektionen, die Alice Cooper über Markenführung lehrt – und kein CAS vermittelt

Auf der Bühne trägt Alice Cooper seit einem gefühlten Jahrhundert eine Schlange um den Hals und fuchtelt mit einem Stock herum. Wer ihn einmal sieht und hört, vergisst ihn nicht wieder. Doch was hat der Schockrocker mit Kommunikation am Hut? Mehr, als manche Marketingabteilungen verstehen. Hier sind fünf Lektion des Meisters der Guillotinen.

Porträt von Roman Albertini.

Roman Albertini

Partner & Lead Design

1. Vertrauen vor Vertrag

Seit über 50 Jahren arbeiten Alice Cooper und sein Manager Shep Gordon zusammen. Ohne einen einzigen schriftlichen Vertrag. Keine Klauseln, keine Ausstiegsszenarien, kein Kleingedrucktes, das im Streitfall entscheidet, wer recht hat.

Das ist keine Nachlässigkeit. Es ist das Resultat einer Art Naturgesetz: Je dicker das Kleingedruckte, desto dünner ist meist die Beziehung, die es absichern soll. Besser als in Verträge investiert man in Vertrauen. Wie viel davon steckt wirklich in der Zusammenarbeit?

2. Be different

Als alle Rockstars versuchten, Peter Pan zu sein, schnappte sich Alice Cooper die Figur, die noch niemand besetzte: Captain Hook. Die Lücke, die niemand füllen wollte, wurde seine Chance. Tatsächlich sind die Kategorien und Segmente, in denen sich die Masse tummelt, fast immer die falschen.

Frage dich also nicht: Wie werde ich besser als die Konkurrenz in ihrer Disziplin? Sondern: Welche Rolle ist noch frei – und wie kann ich sie zum Glänzen bringen?

3. Treue als Business-Strategie

Im März 2026 erneuerten Alice Cooper und seine Frau Sheryl nach 50 gemeinsamen Jahren ihr Eheversprechen. Und vielleicht war gerade das die grösste Provokation in seiner Branche.

Weder privat noch beruflich rennt er kurzfristigen Trends nach. Vielmehr setzt er eigene Akzente und bleibt seinen Prinzipien treu. Aufs Unternehmen übertragen: Kurzfristige Eroberungen – ein viraler Post, ein vermeintlich vorteilhafter Deal, eine Rabattaktion – fühlen sich schnell nach Erfolg an.

Langfristig ist es aber meist sinnvoller, seiner Strategie und bewährten Schlüsselpersonen des Vertrauens treu zu bleiben – und seinen Markenwert auszubauen.

4. Gute Kampagnen sind Rocksongs

Ein Intro, das packt. Strophen, die eine Geschichte erzählen. Und ein Chorus, der zum Ohrwurm wird – das alles gehört auch zur Anatomie einer guten Kampagne.

Viele Kampagnen scheitern nicht an der Idee, sondern daran, dass diese zu wenig konsequent umgesetzt wird. Man verwässert sie, schwächt sie ab, variiert, kommuniziert zu wenig – und fragt sich, warum sie weder durchdringt noch hängenbleibt.

Einen guten Rocksong spielt man dagegen immer wieder, bis er sich ins Gedächtnis brennt.

5. Zelebrier dein Image

Seit Jahrzehnten ist Alice Cooper clean, gläubiger Christ – und verbringt mehr Zeit auf dem Golfplatz als in Pubs. Dennoch liefert er auf der Bühne gnadenlos die Horrorshow ab, die alle erwarten.

Wieso? Er entschuldigt sich nicht für sein Image. Er weiss, er muss nicht allen gefallen – aber seinen Fans.

Viele Marken tun das Gegenteil: Sie schleifen ihr Profil bis zur Unkenntlichkeit ab, statt die Ecken und Kanton zu schärfen. Ein starkes Image lebt nicht von der allgemeinen Zustimmung. Es lebt davon, dass es klar und greifbar ist.

Was könnte deine Marke tun, wenn sie so viel Mut hätte wie Alice Cooper?