Die KI belohnt Hirnschmalz – nicht Geschwätzigkeit
Die KI hat geschafft, was Generationen von Pädagogen misslungen ist: Mehr Menschen als je zuvor fühlen sich berufen, Texte zu «schreiben». Doch nie zuvor löste das Publizierte so wenig aus. Was braucht es, um aus der Masse herauszustechen?
Stephan Lehmann-Maldonado
Partner & Lead Content
Mach dir einen Namen», empfehlen Heerscharen von Kommunikationsbüros. Das Rezept klingt einfach: LinkedIn, Instagram, TikTok – ein paar Posts rund ums Fachgebiet, und schon formt sich die persönliche Marke. Diesem Credo folgen mehr Menschen, als es noch vor 20 Jahren denkbar gewesen wäre.
Gepflegte Langeweile
Das Ergebnis? Eine neue Geschwätzigkeit, die schlicht langweilt. Immer mehr «Berufene» rufen Ideen und Texte direkt von einer KI ab, statt zuerst nachzudenken. Die Worte sind blumiger, als man es von den Urhebern erwarten würde – dafür umso inhaltsleerer. Und die Texte passieren keinen kritischen Redaktor, keine Lektorin, keinen Korrektor. Ein Klick genügt – und theoretisch erreicht die Botschaft die grosse weite Welt. Praktisch landet sie meist im digitalen Nichts.
Versteckmedium Internet
Einzelne originelle Geister haben es tatsächlich geschafft, sich als Blogger, Influencer oder YouTuber zu etablieren. Doch die meisten Beiträge von «Normalos» werden kaum je beachtet – geschweige denn gelesen. Das zeigen die Auswertungen von Google mit schonungsloser Brutalität.
Raus aus der Belanglosigkeitsfalle
Es gibt einen Weg heraus – aber er ist alles andere als bequem: Es gilt, um jedes Wort zu ringen. So wie einst, als Papier teuer war und Schreibende sich quälten, bevor sie zur Feder griffen:
Was ist die Essenz meiner Botschaft?
Wen will ich damit erreichen?
Worauf kann ich verzichten?
Einen Gedanken zu streichen, kann schmerzhaft sein. Das Publikum wird es einem danken. «Einer muss sich plagen – entweder der Schreibende oder der Lesende», scherzte der deutsche Sprachpapst Wolf Schneider. Die KI darf Sparringspartnerin sein, aber bitte nicht Ghostwriterin.
Für zwei Publika schreiben
Wer glaubt, nur Menschen lesen seine Texte, irrt. Niemand verschlingt mehr Wörter als KI-Antwortroboter. Doch die Maschinen sind kritische Geister. Sie bevorzugen Inhalte mit klarer Struktur und originärem Gedankengut. Sie sehnen sich nach echter Substanz und verabscheuen plumpe Selbstdarstellung. Copy-paste-Verschnitte und aufgeblähte Füllwörter entlarven sie zuverlässig.
Originalität hingegen belohnen sie: mit Relevanz in den Antworten, die Millionen von Nutzern täglich abrufen. Wer für die Maschinen schreibt, bewegt also auch Herzen aus Fleisch und Blut.
Kurz: Hirnschmalz war nie so wertvoll wie heute. Denn die KI multipliziert seine Wirkung. Je länger desto mehr lohnt es sich, Zeit und Geld in die Kommunikation zu investieren.